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WDR-Kandidatencheck
19. April 2017

„Niedrigschwellige Hilfsangebote helfen Frauen“ – Susanne Kohlmeyer im Gespräch über Sicherheit für Frauen

Kohlmeyer, Kronmüller & Trotz Allem

 

Die SPD-Landtagskandidatin Susanne Kohlmeyer hatte zum Gespräch über das Thema „Sicherheit für Frauen“ eingeladen. Zusammen mit Vertreterinnen des Gütersloher Vereins „Trotz Allem e.V.“ und dem ärztlichen Direktor des LWL-Klinikums, Prof. Dr. Kronmüller wollte Kohlmeyer der Frage auf den Grund gehen, wie es um das Thema Sicherheit von Frauen in Gütersloh bestellt ist.

Aktuelle Zahlen zur Sicherheit in den Kommunen ließen den Kreis Gütersloh als einen der sichersten erscheinen, leitet Kohlmeyer das Gespräch ein. Wenn man sich dagegen Studien zur häuslichen Gewalt an Frauen anschaue, bekäme man einen gegenteiligen Eindruck: jede vierte Frau erfährt im Laufe ihres Lebens mindestens einmal Gewalt innerhalb von Paarbeziehungen. „Mich interessieren deshalb Ihre Erfahrungen und Einschätzungen aus der Praxis, wie passt das zusammen?“. Die Vertreterinnen des Vereins „Trotz Allem e.V.“, eine Beratungsstelle für Frauen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, finden darauf eine deutliche Antwort: „Insgesamt muss man sagen, dass sich die empfundene Sicherheit von Frauen in den letzten Jahren vermindert hat, wenn es zum Beispiel darum geht, nachts alleine durch dunkle Gassen zu laufen“. Frauen, die in die Beratung von der Beratungsstellenleiterin und Psychologin Nadine Thiel kommen, hätten allerdings hauptsächlich sexualisierte Gewalt im privaten Umfeld erlebt.

„Auch im klinischen Umfeld erleben wir, dass Gewalt im Allgemeinen in den letzten Jahren eher angestiegen ist, das bereitet uns Sorgen“, erklärt Prof. Dr. Kronmüller. Außerdem stiegen die psychiatrischen Fälle in der Ambulanz stetig an, da es an niedrigschwelligen Anlaufstellen und insbesondere Therapieplätzen fehle.  Auch Monika Weiland, die den Verein „Trotz Allem e.V.“ 1995 gegründet hat, sieht hier großen Handlungsbedarf: „Im eigenen Ort keinen Therapieplatz zu bekommen und wohlmöglich immer in andere Städte pendeln zu müssen, kann für traumatisierte Menschen ein großes Problem sein.“ Auch Plätze im Frauenhaus seien oft knapp, wo eine Umverteilung in andere Städte und das Rausreißen aus dem gewohnten Lebensumfeld zu großen Problemen führen könne.

Innerhalb der Beratungsstrukturen selbst gebe es ebenfalls weitaus mehr zu tun, als geleistet werden könne, so Thiel. Mit der vom Kreis Gütersloh finanzierten halben Stelle könne sie über die Beratungen und der Organisation von Selbsthilfegruppen hinaus nicht viel mehr leisten. Themen wie Präventionsgespräche mit Kindergarteneltern oder die Vernetzung mit anderen Organisationen komme viel zu kurz. Alle Beteiligten waren sich am Ende einig darüber, dass beim Thema Sicherheit für Frauen noch einiges getan werden muss. Ob Prävention, bessere Vernetzung der Hilfeleistenden oder niedrigschwellige Angebote für Frauen – letztendlich sei die Lösung wie so häufig ausreichendes Personal. „Unsere rot-grüne Landesregierung hat seit 2010 die Ausgaben zum Schutz von Frauen um 70% erhöht, aber auch darüber hinaus müssen wir als politische Akteurinnen und Akteure dafür Sorge tragen, dass finanzielle Mittel dem stetig dem Bedarf angepasst werden“, erklärt Kohlmeyer abschließend.